Gestählt in 110 Jahren: Eisen-Döring

Gestählt in 110 Jahren: Eisen-Döring

Manche Dinge sind aus Berlin nicht wegzudenken. Es würde schmerzen, wenn sie ganz verschwänden. Dazu gehört der Laden der Dörings am Kaiserdamm. VON CAROLIN BRÜHL, Berliner Morgenpost, 29.09.2016

Gestählt in 110 Jahren: Eisen-Döring

Denny Marquardt, Daniel Strenger, Frank Döring, Renate Döring und Helmut Döring (v.l.) beraten die Kunden im Geschäft. Foto: Christian Kielmann

Ein Mann betritt das Geschäft und verlangt einen Kaffeefilter. Er schaut dabei ein bisschen zweifelnd, ob denn so etwas heute noch verkauft würde. Der junge Mitarbeiter hinter dem Trese denkt keine Sekunde nach. Er verschwindet hinter einem Regal und nicht einmal eine Minute später hat der Kunde, was er wollte. In einem Baumarkt wäre man in dieser Zeit noch nicht einmal mit Durchlesen der Infotafel fertig.

Wunderladen voller Töpfe, Mausefallen und Schrauben

Eisen-Döring ist einer dieser Wunderläden voller Emaille-Töpfe, Dosen, Besen, Schrauben, Beschläge, Austernbrecher, Gartenmöbel oder Duschköpfe, die uns immer wieder verlocken, hineinzugehen und nach Dingen zu fragen, von denen wir annehmen, dass sie so nicht oder nicht mehr erhältlich sind: Glasteekannen ohne bunten Blumenaufdruck, Geschirrtücher aus reinem Leinen, weil es nicht so fusselt beim Gläser-Abtrocknen oder eben einen Kaffeefilter, wie ihn Bentz 1908 entwickelte, und deren Kaffeebrühmethode nach Jahren der Pads und Kapseln jetzt wieder in Mode kommt.

Moden hat das Unternehmen Eisen-Döring schon viele gesehen und alle überlebt. Die Firma gib immerhin ja auch schon zwei Jahre länger als den Melitta-Kaffeefilter. Das Sortiment hat sich in 110 Jahren unternehmerischen Tuns verändert, vieles ist auch geblieben. „Bezahlt ist alles bis auf die letzte Schraube“, sagt Helmut Döring. Auf Pump kaufen ist nicht Sache der Dörings. Und vielleicht ist es gerade diese Solidität, die das Unternehmen so alt hat werden lassen.

Helmut Döring übernimmt das Geschäft 1971

Helmut Döring hat das Unternehmen 1971 in dritter Generation von seinem Vater Bruno übernommen. Angefangen hatte aber schon sein Großvater Otto Döring mit einem Geschäft für Eisenwaren und Haushaltsgeräte am 1. Oktober 1906 im Neuköllner Stadtteil Rixdorf. Die Firmenchronik hält fest, dass die erste Kundin dort einen Kochtopf kaufte. Nicht festgehalten ist indes, wie der aussah. „Viele Leute kauften sich damals die ersten Elektroherde, dafür wollten sie auch neue Töpfe“, sagt Helmut Döring.

Die Dörings überlebten Krisen und Kriege. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Unternehme fast vor dem Nichts. Die Lager waren ausgeraubt oder vernichtet. Bruno Döring, der 1925 in das Familienunternehmen eingetreten war, gelang es aber, das Geschäft und das Sortiment so auszubauen, dass es nahezu alle branchenüblichen Artikel umfasste. Noch heute führt die Familie den Slogan: „Döring hat alles!“

Haus am Kaiserdamm in Familienbesitz

In Charlottenburg begann die Geschichte von Eisen-Döring 1962, als Bruno Döring das Eisenwarengeschäft Julius Walter am Kaiserdamm 17 hinzukaufte. Das Neuköllner Geschäft wuchs von seinem Bruder Oskar weitergeführt. Das Fachgeschäft am Kaiserdamm, das ebenfalls schon seit 1906 existierte, wurde in den Folgejahren umgebaut und erweitert. „Wir sind froh, dass mein Vater damals so weitsichtig war, das Haus hier am Kaiserdamm zu kaufen, als es angeboten wurde“, sagt Helmut Döring und fügt mir leiser Wehmut hinzu: „Müssten wir für unsere Räume haben die ortsübliche Miete zahlen, wäre es allerdings heutzutage ziemlich schwer, mit einem solchen Laden zu überleben.“ Seine Frau Renate, die ebenfalls in der Firma arbeitet, nickt. Vor allem die großen Baumärkte und das Internet sind die Konkurrenten dieser immer seltener werdenden Geschäfte, wie sie die Dörings betreiben. Doch ganz verstehen will Helmut Döring diese Konkurenz nicht. „Wer zu uns mit einem Anliegen kommt, wird kompetent beraten, und ist in der Regelschneller und mit genau dem Gegenstand hier raus, den er wirklich will und braucht.“

Sohn Frank in vierter Generation im Geschäft

Und gebraucht wird Döring vor allem immer dann, wenn etwas benötigt wird, das es nicht einfach von der Stange gibt: historische Berliner Haus- oder Türschlüssel, Mausefallen, Glühbirnen, die in die Fassungen alter Lampen passen oder Beschläge für ein antikes Möbelstück. Vieles davon lagert die Familie im mehrstöckigen Keller. Was in diesem Sammelsurium nicht zu finden ist, wir angefertigt oder bestellt.

An ihrer Tradition will die Familie festhalten. Seit 2012 ist nämlich nun auch der älteste Sohn Frank selbst schon zweifacher Familienvater, in vierter Generation Teilhaber bei Eisen-Döring und stehen neben seinen Eltern ebenfalls hinter dem Jugendstil-Ladentisch aus der Gründerzeit. Selbst Mitarbeiter Denny Marquardt ist schon seit 20 Jahren im Dienst der Dörings und der Fünfte im Geschäft am Kaiserdamm 17, Daniel Strenger, auch schon seit zehn Jahren.

Nachbarn kommen zum Plaudern

Der Kaiserdamm, diese gewaltige, 2,5 Kilometer lange und achtspurige Magistrale, wird wie der döringsche Eisenwarenladen im Oktober ebenfalls 110 Jahre alt. Es gibt nicht mehr viele Geschäfte in denen Kunden und Ladeninhaber noch so einen engen Kontakt pflegen. „Viele Nachbarn kommen zu uns ja auch einfach einmal zum Plauschen herein, manchmal bleiben auch neue Kunden ein Weilchen und erzählen uns ihre ganze Lebensgeschichte“, sagt Renate Döring. Ihr Firmenjubiläum wollen die Dörings am 1. und 2. Oktober gebührend feiern. Einige Hersteller präsentieren ihre Produkte bei Vorführungen und die Familie hat 150 historische Fotos vom Kaiserdamm sowie an Büromaschinen im Laden verteilt und lädt bei Freibier und Sekt zu einer Zeitreise ein.

Eisen Döring - Unkaputtbar - 110 Jahre Eisen Döring

Bei Eisen Döring gibt’s fast alles – seit 110 Jahren

Es ist eines der letzten Geschäfte seiner Art: Eisen Döring feiert sein 110. Jubiläum. Ein Besuch im Familienbetrieb am Kaiserdamm. VON CAY DOBBERKE

Bei Eisen Döring gibt's fast alles – seit 110 Jahren

Familiensache. Renate und Helmut Döring vor ihrem Haushaltswarenladen am Kaiserdamm. FOTO: THILO RÜCKEIS

Wer sich in den drei Etagen von Eisen Döring am Charlottenburger Kaiserdamm 17 umschaut, fragt sich bald, was es in dem 110 Jahre alten Geschäft eigentlich nicht gibt. Zum Sortiment gehören Messer, Töpfe, Blumenzwiebeln, Küchengeräte, Wäschetrockner, Hollywoodschaukeln, Gartenstühle und Plastik-Swimmingpools, Sanitärbedarf, Schubkarren, aber auch Rodelschlitten und Rollatoren sowie Schlüssel, von denen manche noch in Türen aus der Gründerzeit passen. Auch klassische Glühbirnen gibt es noch, weil Familie Döring große Restbestände eingelagert hat. „So nah, so gut und hat alles…“, lautet ihr Werbeslogan, der natürlich nicht ganz stimmt, aber doch treffend ist.

Gegründet in Rixdorf

An diesem Wochenende feiern Renate, Helmut und Frank Döring das Jubiläum ihres Eisen- und Haushaltswarenladens. Mit 110 Jahren ist dieser ebenso alt wie der Kaiserdamm. Allerdings entstand der Familienbetrieb nicht dort, sondern wurde 1906 von Otto Döring in Rixdorf – dem heutigen Neukölln – gegründet. Sein Sohn Bruno führte in den 1950er Jahren auch eine Filiale mit landwirtschaftlichen Geräten. 1962 eröffnete das Geschäft am Kaiserdamm, Helmut Döring übernahm es 1971 – zusammen mit seiner Frau Renate, die er drei Jahre zuvor kennengelernt hatte. Sie hatte im Büro eines Kartoffelgroßhändlers gearbeitet und „nicht geahnt, dass ich mal einen Laden führen würde“.

Bald feiert man auch das Kaiserdamm-Jubiläum

Inzwischen ist Helmut Döring 71 Jahre alt, seine Frau 69. Seit 2012 führt ihr Sohn Frank, 47, das Geschäft als Teilhaber. Aber auch die Seniorchefs stehen in der Regel noch täglich hinter dem hölzernen Jugendstil-Verkaufstresen. Helmut Döring leitete lange auch die IG Kaiserdamm mit rund zwei Dutzend Mitgliedern, nun ist er Vize-Vorsitzender. Seine Idee waren die Seifenkistenrennen auf dem Kaiserdamm. „Leider werden sie nicht mehr genehmigt“, sagt er. Denn für Aufbauarbeiten habe man die Fahrbahn in Richtung Avus je drei Tage lang sperren
müssen.

Zu den Aktivitäten der Straßengemeinschaft gehört die Bepflanzung von Baumscheiben am Gehwegrand – und die Vorbereitung eines Kaiserdamm-Geburtstagsfests am 29. und 30. Oktober mit verkaufsoffenem Sonntag, Führungen, einem „Rätselparcours“, Musik und weiteren Attraktionen. Geplant ist auch eine historische Fotogalerie in allen Schaufenstern und Foyers der Häuser. Dafür steuert Helmut Döring alte Fotos der Straße bei. Eine Auswahl zeigt er bereits zum Firmenjubiläum im Geschäft.

Der Umsatz ist gesunken

Nicht nur die Chefs halten dem Laden die Treue, auch die zwei Angestellten arbeiten dort schon seit 20 und zehn Jahren. Obwohl der Kaiserdamm heute stark vom Verkehr geprägt ist, sagen Renate und Helmut Döring, sie seien „stolz, an der schönsten Prachtstraße unserer Stadt unser Geschäft zu haben“. Die Eheleute wohnen auch im selben Haus, das Dörings Vater einst gekauft hatte. Deshalb mussten sie nie Mietererhöhungen für den Laden fürchten. Außerdem ist die Vermietung einiger Wohnungen in dem Altbau eine willkommene Einkommensquelle. Denn das Geschäft läuft nicht mehr so gut wie früher. Das liege zum Teil am Onlinehandel, sagen Renate und Helmut Döring. Statt gleich vorbeizukommen, „rufen viele Kunden erst einmal an, fragen nach Preisen und surfen im Web“.

Spürbare Folgen hatte auch die Eröffnung einer „Bauhaus“-Filiale in Halensee vor rund drei Jahren. Besonders bei Gartengeräten mache der Baumarkt dem Traditionsbetrieb starke Konkurrenz, klagt Familie Döring. Ein Wettbewerbsvorteil des Baumarktes ist dessen großer Parkplatz – am Kaiserdamm hingegen ist es tagsüber schwierig, eine Parklücke zu finden. Helmut Döring und seine Frau genießen es, nun auch mal Zeit für Reisen zu haben. Denn als sie den Laden noch alleine führten, hatten sie kaum Freizeit. „Was ist denn Urlaub?“, habe der Schwiegervater sie einst gefragt, erinnert sich Renate Döring.

Haushaltswarenläden sind heute eine Rarität

Eine ähnlich bekannte Eisen- und Haushaltswarenhandlung in Charlottenburg ist C. Adolph am Savignyplatz. Dieser Laden ist noch sogar noch acht Jahre älter – aber auch viel kleiner. Beide Geschäfte ziehen Kunden aus ganz Berlin an. Denn wo sonst wird man bei Bedarf ausführlich beraten oder bekommt Schrauben noch einzeln und nicht nur im Hunderterpack? Haushaltswarengeschäfte sind stadtweit rar geworden, und Kaufhäuser haben ihre entsprechenden Abteilungen verkleinert oder aufgegeben. Daran denken die Dörings noch lange nicht.

– Das Firmenjubiläum feiert Eisen Döring (www.eisen-doering.de) am 1. Oktober (9- 18 Uhr) und 2. Oktober (10-18 Uhr, Verkauf ab 13 Uhr) am Kaiserdamm 17 mit Musik, Essen und Getränken, Sonderpreisen, einer Fotoausstellung und Produktvorführungen. Informationen zum Kaiserdamm-Jubiläumsfest am 29. und 30. Oktober gibt es unter www.kaiserdamm-berlin.de.

Einladung 110-jähriges Jubiläum - Eisen Döring

Einladung 110-jähriges Jubiläum

Eisen Döring - Unkaputtbar - 110 Jahre Eisen Döring

Pressemitteilung: 110 Jahre Eisen Döring

Eisen Döring Chronik 2016

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Eisen Döring Berliner Zeitung

Berliner Morgenpost vom 23. Juni 2015